Rallyebericht der etwas anderen Art -Zorn 2018 Pöl-Rallyegolf, TeamSchädel/Kremin

Erste Rallye der Saison. Wie immer hab ich nach dem letzten Lauf im Winter hoch gesteckte Ziele für die neue Saison… Alles muss besser, „wir brauchen 40 PS mehr, VTG-Lader, und noch ein bisschen was am Fahrwerk, und dann können sich die M3s warm anziehen…“

Dann verschwindet das Auto in der Werkstatt, es wird kalt, und mein Chef meint, ich sollte auch mal was arbeiten. Und die Cheffin meint, ich soll auch mal die Wohnung entrümpeln und renovieren. Beide haben völlig recht, und schwupps ist schon wieder der Saisonauftakt in Miehlen.

Viel ist also nicht gelaufen über den Winter. Zur Erinnerung, den letzten Lauf in Mamming haben wir mit erbärmlichen 0,7 bar Ladedruck ins Ziel geschleppt. Es stellte sich heraus, dass die Zusatzfeder am Wastegate offenbar gebrochen und dann verloren gegangen war.
Ich habe den Lader abgebaut, und Maß genommen für den VTG in Kombination mit einer riesigen Ansaugbrücke. Als ich dann ne Idee hatte, wie das ins Auto passen wird, wurde der Termin in Zorn veröffentlicht. Und der war verdammt früh…
Also, neue Feder, alten Lader wieder rein… Das funzt wenigstens, das wissen wir.
Startversuch, Mist, welcher Idiot hat da schon wieder den Hauptschalter vergessen… Batterie tiefentladen, und sie lässt sich auch nicht mehr ausreichend wiederbeleben. Es ist zu kalt, der Motor orgelt müde und springt nicht an. Mit Starthilfe kommt er wenigstens problemlos. Wieder ne olle Bleibatterie kaufen? Diesmal nicht, ich hab vom Uwe FDS 12 LiFePO4-Zellen mit je 55 AH erstanden, 8 davon arbeiten im Womo, 4 sollen als Starterbatterie in den PRG. Die hab ich also rausgekramt und mal provisorisch angeschlossen, nachdem sie etwa anderthalb Jahre unberührt im Regal gestanden hatten. Beeindruckend, der Anlasser legt los wie der Teufel.

Was Batterieeinbau angeht, jedes Provisorium ist streng untersagt, heißt es im Reglement… Macht auch Sinn, dass muss man schon vernünftig machen, ein Konstrukt aus Kunststoffplatten und reichlich Gewindestangen verschwindet im Batteriefach. Das tut…

Ein neuer Satz Winterreifen, jetzt noch ne kurze Probefahrt und ab auf den Hänger….

Die Probefahrt verläuft etwas zäh. Insbesondere der Öldruckaufbau. Daran krankt das Auto schon länger… Seit einiger Zeit tut die Trockensumpfpumpe sich schwer, das Öl anzusaugen. Wir tricksen, indem wir vorm Start den Tank mit dem Mund kräftig aufpusten. Wenn die Ölpumpe erstmal angesaugt hat, ist alles gut. So fahren wir schon länger rum, aber diesmal scheint es schlimmer zu werden. Und tatsächlich geht die Öllampe sogar noch einmal an, nachdem er schon angesaugt hatte. Auch melden sich die Hydros wieder, wenn man hochdreht… Hm, aber da kann man jetzt nicht mehr viel machen, morgen ist Rallye, und erfahrungsgemäß gibt sich das, wenn das Öl warm ist.

Also auf zur Rallye, wir kommen entspannt rechtzeitig an, bringen Papier- und TA hinter uns, schlafen gut und müssen fürchterlich früh aufstehen… Offiziell beginnt die Besichtigungsrunde im Dunklen! Das verpennen wir. Wir sind hier doch alte Hasen, kennen viele Ecken schon. Ein Besichtigungsdurchgang muss reichen… Tut er auch, wir schreiben ein gutes Gebetbuch zusammen. Das Auto kommt in den Tritt, wo der Motor warm ist scheint alles gut. Auch wenn ich meine, dass unsere etwas rudimentäre Öldruckanzeige schon mal mehr gezeigt hat, aber es hilft jetzt nicht mehr, sich darum einen Kopf zu machen… Wie Walter Röhrl sagt, „als Fahrer musst du dich 100% aufs Fahren konzentrieren“

Wir fahren zurück in den Startpark, die Zeit reicht gerade noch für einen Kaffee und einmal aufs Klo, schon starten wir zur WP1.
Ich entschuldige mich schon vorher beim Sebastian, ich werde nicht letzte Rille fahren… Lange nicht gefahren, die Straßen sind feucht und teilweise vereist. Der Schlamm ist teilweise aufgeweicht und sehr schmierig, teilweise noch bretthart gefroren. Wie heißt es immer so schön, „nach WP1 hat noch keiner gewonnen, aber manch einer schon verloren“…

Das passiert uns nicht. Es wird eine sehr saubere Fahrt, ich bin sofort drin, lasse an den Mut-Passagen ordentlich stehen, die heiklen Bremspunkte auf dem Schlamm passen perfekt. Nur etwas trübt im wörtlichen Sinne die Freude, die Scheiben beschlagen etwas. Man riecht das Kühlwasser. Wir kurbeln die Fenster einen kleinen Spalt auf, so geht’s… Das Spiel kenne ich, da kommt die Zylinderkopfdichtung. Erfahrungsgemäß halten die MLM-Dichtungen aber soweit durch, dass man die Rallye zu Ende fahren kann… Sie brennen eben nicht richtig durch, sie werden nur undicht…
Ach so, die Öllampe war in der WP auch einmal kurz an… Nicht normal, nicht gut…

Zurück im Startpark, ein Liter Wasser fehlt, etwas Dreck ist im Kühlwasser, die Diagnose ZKD ist eindeutig… Kopfschrauben nachziehen? Die passende Nuss ist nicht dabei, lassen wir. Lieber erstmal frühstücken.

Auf zu WP2. Jetzt wissen wir, das Gebetbuch passt perfekt, vielleicht etwas mehr Attacke? Nicht übertreiben, der Bonsai und der Ascona sind schon ausgefallen. Platz drei ist uns eigentlich sicher, wenn wir keine Fehler machen. Schneller als der Porsche sind wir, das wissen wir. Aber wir wissen auch, dass der eine M3 einen fetten Dreher mit Rückwärtsgang eingebaut hatte. Also nicht einschlafen, vielleicht ist mehr drin, als es schien…

Läuft… etwa in der Mitte der WP geht es vom Schlamm links ab auf die Hauptstraße. Der Schlamm ist weit auf die Straße rausgetragen. Bewährte Technik, links einlenken, ein kleiner Zupfer an der Handbremse, das Auto kommt quer und steht halbwegs in Weiterfahrrichtung, durch dosiertes Gasgeben lasse ich die Vorderräder durchdrehen, das fängt die Drehung auf, ohne dass man wie verrückt am Lenkrad kurbeln muss und sich einen Knoten in die Arme macht. Man dosiert das Gas so, dass man schön parallel mit etwas Sicherheitsabstand an den Graben rutscht… So der Plan. In der Praxis ist aber der Unterschied zwischen Theorie und Praxis größer als in der Theorie.

Das Durchdrehen der Vorderräder bleibt aus, genau wie der Motor. Da bleibt nur Bremsen, und die Fuhre fängt sich noch knapp, bevor das Heck in den Graben taucht. Zum Nachdenken und für Ursachenforschung ist da keine Zeit, der Finger ist schon auf dem Anlassknopf. Der Anlasser ist sehr müde, aber die Karre springt auf dem dritten Jörg doch an.
Während wir die folgende Vollgaspassage auf der gut ausgebauten Landstraße zur nächsten Schikane den Berg hoch kurbeln, und fast bis in den 6. Gang kommen, überlege ich, warum die schöne Batterie jetzt doch so schwach war… Die Überlegungen werden in der Schikane abgelöst durch ein sehr reales Problem, das Lenkrad zu drehen… Gut dass ich noch gefrühstückt habe, ich murre etwas vor mich hin, Sebastian will wissen was los ist, Schikane wäre doch super genommen… Servolenkung ausgefallen, knurre ich… Das kenne ich auch, wenn beim Anlassen die Spannung unter einen gewissen Wert fällt, beendet die elektrische Servopumpe ihre Mitarbeit. Kann man neu starten, aber statt sie einmal aus- und wieder einzuschalten erwische ich anscheinend nur den Knopf fürs Licht… Auch der nächsten Abzweig muss also mit purer Kraft erfolgen… Dann klappt der Servopumpen-Restart und es geht ins Finale der WP. Das Kühlwasser bleibt weitgehend friedlich diesmal, wir hatten den Ladedruck noch zwei Zehntel bar runtergeregelt.

Obs mangelnde Konzentration durch die viele Ablenkung ist, ob wieder der Motor nicht recht wollte, bei einem Handbremseinsatz überdreht die Kiste etwas, wir parken mit der Schnauze vor einem Strohballen. Rückwärtsgang, dann aber gestreckter Galopp ins Ziel.
Hm… Nicht optimal gelaufen, aber auch kein Beinbruch, so ist unser Fazit. Den Porsche konnten wir auf Distanz halten, auch Manni hat einen Dreher reingefahren, und dem Porsche eine kleine Delle verpasst…

Jetzt ist erstmal Mittagspause, die WP wird umgebaut, WP 3 4 5 finden auf einer anderen Strecke teilweise direkt im Ort statt. Ein ziemliches Zuschauerspektakel, es geht in wilden Handbremskehren mitten durch den Busbahnhof… Und eine wunderschöne Passage durch den Kreisverkehr. So wie man einen Kreisverkehr immer schon mal fahren wollte, aber nie durfte… Das so etwas genehmigt wird, spricht dafür, dass die Anwohner die Rallye durchaus positiv sehen. Schön, dass es so etwas noch gibt…

Nach der Pause rollen wir also zu WP3, und bringen die Passage durch den Ort und die vielen Kehren über Bushaltestellen und andere Hindernisse mit Anstand hinter uns. Die Öllampe blinzelt uns zwei mal an. Kann die nicht einfach die Fresse halten??? Bedenklicher ist aber ein sehr lautes Schlagen. Es scheint eher im Rhythmus der Radumdrehungen zu kommen, Felge krumm gefahren? Keine Ahnung, die WP ist nicht mehr lang. Entweder du fährst aufs Treppchen, oder zur Hölle, erkläre ich dem Auto…

Der letzte Teil der WP ist eher konventionell. Eine enge Straße mit ein paar Kehren und schnellen Kurven.
Direkt Ausgangs einer diesen schnellen Kurven, knapp ausgedrehter dritter Gang würde ich sagen, klingt das Auto mit einmal noch etwas kaputter… Und dann blockiert mit einem bemerkenswerten Rumms die Vorderachse. Ausgekuppelt rolle ich noch von der Strecke in den Acker… Eindeutig, das Auto hat sich für Variante B entschieden.

In einer fetten Dampfwolke kommen wir also abseits der Strecke zum Stehen… Wir steigen aus und stellen das grüne OK-Zeichen in die Heckklappe. Das gehört sich so, wenn einem nichts passiert. Ohne das Zeichen müssten nachfolgende Fahrzeuge beim geringsten Zweifel an unserer körperlichen Unversehrtheit anhalten… Was geistige Gesundheit angeht, kann uns ohnehin keiner helfen, also das grüne Zeichen…

Das nachfolgende Auto tastet sich über das Trümmerfeld, was wir auf der Straße gelassen haben. Dann haben wir eine Minute Zeit und kicken das Gröbste von der Straße… Wir haben weniger eine Ölspur hinterlassen, als eher eine Metallspur. Schön verstreut liegen da ein unbeschädigter Zahnriemen, Keilriemen, ein paar Teile der Nebenwelle, ein Pleuel und reichlich mehr oder weniger unidentifizierbares Grauguss-Zeugs… Wer es jetzt noch nicht ahnt, wir können wohl nicht mehr weiter fahren 😉

Auf der Suche nach weiteren Bruchstücken steht Sebastian in der Wiese und hört etwas leise zischen… Er geht dem Geräusch nach und findet einen nahezu unversehrten Kolbenbolzen. Die Wasserpumpe hat sich ein neues Aufgabenfeld gesucht. Sie hat sich in den Wassergraben begeben, vermutlich um ihn leer zu pumpen. Ohne Antrieb hat sie schlechte Karten. Wir haben Mitleid und nehmen sie mit.
Mittlerweile kommt ein Streckenposten hinzu, und beschließt angesichts der Ölspur und des einen Meter neben der Strecke parkenden Autos doch die gelbe Fahne hin zu halten. Wir quatschen ein bisschen mit ihm, dann schieben wir das Auto weiter weg von der Strecke und er meldet die Strecke als wieder frei… Die Ölspur ist nicht so wild, dank Trockensumpftechnik.

Wir marschieren durch tiefen Ackermatsch zum Zuschauerpunkt, wo wir gewohnt begeistert empfangen werden. Das Publikum hat eindeutig ein Herz für Bruchpiloten… Eine Familie mit Kind fährt uns mit ihrem funkelnagelneuen Pickup zurück ins Rallyezentrum. Wegen unseres stark verschlammten Gesamteindrucks bestehen wir darauf, nicht den Innenraum zu versauen, klettern auf die Ladefläche und winken huldvoll zum Abschied…

Der Rest ist nicht weiter bemerkenswert. Wir ziehen uns um, kurz bevor mir in den dünnen Rennfahrer-Schühchen die Zehen abfrieren, essen uns ein Schnitzel, trinken ein Ausfallbier und kehren als Zuschauer zurück an die Strecke… Manni und Chris fahren problemlos den Pokal ein. Der Porsche ist zwar etwas lahm, aber einfach unkaputtbar. Man kann kaum noch zählen, seit wie vielen Veranstaltungen der eine Zielankunft nach der anderen einfährt…

Zum Schadenshergang haben wir schon eine gute Theorie, aber das sprengt hier wohl den Rahmen.

Eines scheint sicher, das Absterben des Motors war kein Fahrfehler, und mit der Batterie ist alles bestens… Der Motor war da schon einmal fast festgegangen, konnte sich aber noch einmal losreißen.

Mittlerweile sind die Ergebnisse online. Das war im Nachhinein sehr erfreulich, so weit wir dabei wahren. Nach den ersten beiden WPs haben wir ordentlich an dem einen M3 geknabbert. Der hatte anscheinend keinen guten Tag und/oder mit den Reifen verwachst… Vielleicht hätten wir ihm sogar noch gefährlich werden können. Gesamt hätte es vermutlich für die Top 20 gereicht.
Aber der “Bonsai” mit dem Mazda wird uns noch gefährlich werden. Zwar ist das Auto auch mit irgendwelchen Elektrik-Problemen nach WP1 ausgefallen, aber schnell ist er. Anscheinend 15 Sekunden hinter uns, aber ich hab ein Video gesehen, wo er wohl ziemlich exakt 15 Sekunden den Acker gepflügt hat. Das können im Laufe der Saison noch spannende Duelle werden 🙂
Text – Joachim Schädel

Bild – Privat

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